Qualifizierung der Arbeitskräfte steigt - Produktivität nicht

Trotz der wachsenden "Akademisierung" der Arbeitsmärkte in Deutschland und anderen entwickelten Ländern geht das Wachstum der Produktivität zurück. In den 70er Jahren lag das Produktivitätswachstum pro Jahr noch bei fast vier Prozent, in den letzten acht Jahren hingegen betrug es weniger als ein Prozent. In 2018 und 2019 stagniert die Produktion, was allerdings nicht allein durch den sektoralen Wandel zu erklären ist. Das zeigt eine Studie des DIW Berlin. Die wachsende Bürokratisierung könnte zu den Rückgängen beitragen. Der Rückgang des Produktivitätswachstum wird von einem Plus an Tätigkeiten in leitenden Positionen und im Management begleitet, zudem besteht ein Zusammenhang mit der Anwendung von Gesetzen und Vorschriften.

Qualifikationsplus hätte Produktivitätswachstum anregen müssen
Bezüglich der Qualifikation der Erwerbstätigen gibt es zwei Entwicklungen, die das Produktivitätswachstum eigentlich hätte anregen sollen. Erstens gibt es immer mehr Erwerbstätige mit Hochschulabschluss. Der Anteil der Arbeitszeit, die auf Jobs, bei denen ein Hochschulabschluss Voraussetzung ist, entfällt, ist von etwa zehn Prozent in 1984 auf knapp 30 Prozent in 2017 gestiegen. Zweitens geht das Arbeitsvolumen von Jobs ohne Qualifikationsvoraussetzung zurück, von knapp 40 Prozent in 1984 auf rund 20 Prozent in den letzten Jahren.

Sektoraler Wandel hat nur geringen negativen Einfluss auf Produktivitätswachstum
Als Grund für das rückläufige Produktivitätswachstum wird oft der sektorale Wandel (Verschiebung von Produktion in den Dienstleistungssektor) genannt. Das überproportionale Wachstum des Dienstleistungssektors hat das Produktivitätswachstum tatsächlich gebremst, aber nur um 0,2 Prozent.

Wachsende Bürokratisierung als ein Grund für gehemmtes Produktivitätswachstum
Ein Grund für das schwächere Wachstum sind für Studienautor Karl Brenke die zunehmenden bürokratischen Vorgaben und Prozesse, die mehr Arbeitsaufwand verursachen, aber keinen Bezug zur eigentlichen Wertschöpfung haben. Die wachsende Bürokratisierung ist einerseits auf den Staat, etwa mittels Auflagen für die Kooperation mit öffentlichen Auftraggebern, und andererseits auf die Unternehmen, z. B. wenn diese neue Funktionen schaffen, zurückzuführen. Der Mikrozensus zeigt, dass sich die Beschäftigungsstruktur verändert hat. Mit sinkendem Produktivitätswachstum stieg der Anteil der bürokratischen Tätigkeiten. Das trifft auch auf Branchen mit hoher Produktivität zu. Im verarbeitenden Gewerbe hatten hochqualifizierte Verwaltungsberufe 1996 einen Anteil von 0,6 Prozent, in 2016 lag er schon bei 3,1 Prozent. Und auch bei den Führungstätigkeiten gab es ein Plus. Allerdings ist nicht klar, welchen Einfluss dieser Wandel auf den Arbeitsalltag anderer Beschäftigter hat. Für den Beweis und die Messung des möglichen Zusammenhangs wären Umfragen nötig, damit genau erfasst wird, wie die Arbeitszeit nach Aufgabentypen genutzt wird.

(Quelle: https://www.diw.de/de/diw_01.c.672622.de/produktivitaetswachstum_sinkt_obwohl_erwerbstaetige_besser_qualifiziert_sind.html)

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